Hilfe für Tiere in Not
Berlin. Gebrochene Pfoten, Durchfall, Erbrechen: Viele Hunde- oder Katzenbesitzer wenden sich im Notfall an dieTierambulanz Berlin/Brandenburg. In Kooperation mit einer Tierarztpraxis werden auch Termine für Hausbesuche zum Impfen oder Krallenschneiden vergeben.
Der 13-jährige schwarz-weiße Kater Remedy ist „zahnlos, aber fit wie ein Turnschuh“. Das sagt sein Frauchen Elke Müller aus Steglitz während eines Hausbesuches von Tierärztin Sandra Höfer. Die 42-Jährige gehört zum Ärzteteam der Tierambulanz Berlin/Brandenburg. Der Rettungswagen für tierische Notfälle rollt seit August 2007 über Berlins Straßen – rund um die Uhr. Heute steht für Remedy nur eine Impfung an, aber Frau Müller hat auch schon zweimal den Notarzt rufen müssen: „Das hat wunderbar funktioniert. Für die Hotline bin ich dankbar“, sagt die Katzenliebhaberin.
Skalpelle und Spritzen
Nach Unfällen werden die verletzten Tiere bereits im Rettungswagen medizinisch versorgt. „Wir können Infusionen geben, Wunden nähen, haben im Fahrzeug Skalpelle, Kanülen, Medikamente und alles, was man als Tierarzt zur Erstversorgung braucht“, berichtet Sandra Höfer. Eine Vakuumdecke ist ebenso an Bord wie ein Otoskop zur Ohrenuntersuchung, Käscher und Tierkäfige. Von außen sieht das Auto fast aus wie ein Rettungswagen für Menschen – ein weißer Mercedes mit rotem Streifen, auf dem groß „Tierambulanz“ steht sowie die kostenlose Notrufnummer Tel. 0800 668 84 37.
Der Rettungswagen ist immer mit einem Arzt und einem Assistenten besetzt. Kommt ein Notruf rein, gibt die Hotline Anschrift und Beschwerden des Patienten sofort an den diensthabenden Tierarzt weiter. „Unsere sechs Ärzte wechseln sich mit der Bereitschaft alle 24 Stunden ab“, sagt Christian Weiß, Initiator der Tierambulanz Berlin/Brandenburg. „Mit der Ambulanz habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt.“ Der gelernte Kaufmann, der sein Tiermedizin-Studium abgebrochen hat, absolvierte mehrere Praktika in Tierarztpraxen. Jetzt ist er Geschäftsführer und Einsatzleiter in der Tierambulanz. Weiß ist froh über die Kooperation mit Sandra Höfer, die in Friedrichshain eine Tierarztpraxis betreibt. Hier befindet sich das Hauptquartier der Ambulanz. Trotz allem Idealismus, die schnelle medizinische Hilfe kostet Geld und wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet.
Die Dienste des Teams werden in den unterschiedlichsten Notsituationen in Anspruch genommen. „Gründe für einen Notruf können Durchfall und plötzliches Erbrechen bei Hund oder Katze sein“, sagt Geschäftsführer Weiß. Im Winter komme es mitunter vor, dass Hunde auf vereisten Flächen ausrutschen und sich eine Pfote verstauchen oder brechen. Im Frühling werde der Rettungswagen häufig zur Hilfe gerufen, wenn eine Katze vom Balkon fällt, sich im Fenster eingeklemmt hat oder auf einem Baum festsitzt. Meistens seien es Hunde, Katzen, Kaninchen und Hamster, die behandelt werden. „Aber natürlich sind auch mal Vögel und Exoten wie Spinnen dabei“, ergänzt Tierärztin Sandra Höfer augenzwinkernd.
Auch der vierjährige schwarze Dackel-Dobermann-Mischling Sancho in Friedrichshain braucht Hilfe. Schon im Hausflur ist sein aufgeregtes Bellen zu hören. Frauchen Evelin Gabriel hat die Ärztin zum Krallenschneiden, Impfen und Entwurmen ins Haus gerufen. „Das muss mal sein“, sagt die Harz-IV- Empfängerin und streichelt ihren Liebling. Sandra Höfer hat alle Mühe mit dem verängstigten Sancho. Der kann nur nach einer Sonderportion Leckerli, gutem Zureden und mit Maulkorb von der Ärztin behandelt werden.
Bei dem 16 Jahre alten Kater Oskar in Neukölln steht die Nachbetreuung nach einem Noteinsatz auf dem Terminkalender: „Er leidet unter einer Herzinsuffizienz, die Herzklappen schließen nicht mehr richtig“, sagt die Tierärztin und streichelt den Kater, der neue Medikamente von ihr erhält. Bei schlimmen Unfällen werden die Tiere nach der Erstversorgung in eine Tierklinik gebracht. Manchmal stoßen die Teams bei ihren Einsätzen auch an die emotionalen Grenzen. „Besonders wenn Tierquälerei im Spiel ist.“ Sandra Höfer berichtet von einer Katze, auf die brutal mit einem Besenstil eingeschlagen wurde. Und von einem Hund, der angeblich ins Kartoffelmesser gesprungen sein soll. Bei der Untersuchung habe die Ärztin jedoch festgestellt, dass das Tier regelrecht aufgeschlitzt worden war. „Der Hund ist dann auch an seinen Verletzungen gestorben. Doch nur wenige Tierquäler haben nach ihrer Tat ein schlechtes Gewissen und holen einen Arzt“, so Höfer.
Katze im Baum
Für Tierärzte sei es schwierig, die Misshandlungen zu beweisen. Als bedrückend empfinden die Mitarbeiter der Tierambulanz auch, dass viele verletzte Haustiere herrenlos aufgefunden werden. „Das kommt leider immer häufiger vor. Schlimm ist, dass niemand die Behandlungskosten übernehmen will und einen Arzt anruft“, berichtet Sandra Höfer. Auch Amtstierärzte, Polizei und Feuerwehr klingeln öfter mal die Tierambulanz an. „Mal wurde ein Reh gefunden, mal hängt eine Katze im Baum“, erinnert sich Christian Weiß. Eines macht er jedoch gleich klar: „Wir befreien Tiere aus Notlagen vor Ort meist nur, wenn der Halter auch dabei ist.“
Autor: Gabi Zylla - Berliner Woche
http://www.berliner-woche.de/Hilfe-fuer-Tiere-in-Not.351.0.html
Der 13-jährige schwarz-weiße Kater Remedy ist „zahnlos, aber fit wie ein Turnschuh“. Das sagt sein Frauchen Elke Müller aus Steglitz während eines Hausbesuches von Tierärztin Sandra Höfer. Die 42-Jährige gehört zum Ärzteteam der Tierambulanz Berlin/Brandenburg. Der Rettungswagen für tierische Notfälle rollt seit August 2007 über Berlins Straßen – rund um die Uhr. Heute steht für Remedy nur eine Impfung an, aber Frau Müller hat auch schon zweimal den Notarzt rufen müssen: „Das hat wunderbar funktioniert. Für die Hotline bin ich dankbar“, sagt die Katzenliebhaberin.
Skalpelle und Spritzen
Nach Unfällen werden die verletzten Tiere bereits im Rettungswagen medizinisch versorgt. „Wir können Infusionen geben, Wunden nähen, haben im Fahrzeug Skalpelle, Kanülen, Medikamente und alles, was man als Tierarzt zur Erstversorgung braucht“, berichtet Sandra Höfer. Eine Vakuumdecke ist ebenso an Bord wie ein Otoskop zur Ohrenuntersuchung, Käscher und Tierkäfige. Von außen sieht das Auto fast aus wie ein Rettungswagen für Menschen – ein weißer Mercedes mit rotem Streifen, auf dem groß „Tierambulanz“ steht sowie die kostenlose Notrufnummer Tel. 0800 668 84 37.
Der Rettungswagen ist immer mit einem Arzt und einem Assistenten besetzt. Kommt ein Notruf rein, gibt die Hotline Anschrift und Beschwerden des Patienten sofort an den diensthabenden Tierarzt weiter. „Unsere sechs Ärzte wechseln sich mit der Bereitschaft alle 24 Stunden ab“, sagt Christian Weiß, Initiator der Tierambulanz Berlin/Brandenburg. „Mit der Ambulanz habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt.“ Der gelernte Kaufmann, der sein Tiermedizin-Studium abgebrochen hat, absolvierte mehrere Praktika in Tierarztpraxen. Jetzt ist er Geschäftsführer und Einsatzleiter in der Tierambulanz. Weiß ist froh über die Kooperation mit Sandra Höfer, die in Friedrichshain eine Tierarztpraxis betreibt. Hier befindet sich das Hauptquartier der Ambulanz. Trotz allem Idealismus, die schnelle medizinische Hilfe kostet Geld und wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet.
Die Dienste des Teams werden in den unterschiedlichsten Notsituationen in Anspruch genommen. „Gründe für einen Notruf können Durchfall und plötzliches Erbrechen bei Hund oder Katze sein“, sagt Geschäftsführer Weiß. Im Winter komme es mitunter vor, dass Hunde auf vereisten Flächen ausrutschen und sich eine Pfote verstauchen oder brechen. Im Frühling werde der Rettungswagen häufig zur Hilfe gerufen, wenn eine Katze vom Balkon fällt, sich im Fenster eingeklemmt hat oder auf einem Baum festsitzt. Meistens seien es Hunde, Katzen, Kaninchen und Hamster, die behandelt werden. „Aber natürlich sind auch mal Vögel und Exoten wie Spinnen dabei“, ergänzt Tierärztin Sandra Höfer augenzwinkernd.
Auch der vierjährige schwarze Dackel-Dobermann-Mischling Sancho in Friedrichshain braucht Hilfe. Schon im Hausflur ist sein aufgeregtes Bellen zu hören. Frauchen Evelin Gabriel hat die Ärztin zum Krallenschneiden, Impfen und Entwurmen ins Haus gerufen. „Das muss mal sein“, sagt die Harz-IV- Empfängerin und streichelt ihren Liebling. Sandra Höfer hat alle Mühe mit dem verängstigten Sancho. Der kann nur nach einer Sonderportion Leckerli, gutem Zureden und mit Maulkorb von der Ärztin behandelt werden.
Bei dem 16 Jahre alten Kater Oskar in Neukölln steht die Nachbetreuung nach einem Noteinsatz auf dem Terminkalender: „Er leidet unter einer Herzinsuffizienz, die Herzklappen schließen nicht mehr richtig“, sagt die Tierärztin und streichelt den Kater, der neue Medikamente von ihr erhält. Bei schlimmen Unfällen werden die Tiere nach der Erstversorgung in eine Tierklinik gebracht. Manchmal stoßen die Teams bei ihren Einsätzen auch an die emotionalen Grenzen. „Besonders wenn Tierquälerei im Spiel ist.“ Sandra Höfer berichtet von einer Katze, auf die brutal mit einem Besenstil eingeschlagen wurde. Und von einem Hund, der angeblich ins Kartoffelmesser gesprungen sein soll. Bei der Untersuchung habe die Ärztin jedoch festgestellt, dass das Tier regelrecht aufgeschlitzt worden war. „Der Hund ist dann auch an seinen Verletzungen gestorben. Doch nur wenige Tierquäler haben nach ihrer Tat ein schlechtes Gewissen und holen einen Arzt“, so Höfer.
Katze im Baum
Für Tierärzte sei es schwierig, die Misshandlungen zu beweisen. Als bedrückend empfinden die Mitarbeiter der Tierambulanz auch, dass viele verletzte Haustiere herrenlos aufgefunden werden. „Das kommt leider immer häufiger vor. Schlimm ist, dass niemand die Behandlungskosten übernehmen will und einen Arzt anruft“, berichtet Sandra Höfer. Auch Amtstierärzte, Polizei und Feuerwehr klingeln öfter mal die Tierambulanz an. „Mal wurde ein Reh gefunden, mal hängt eine Katze im Baum“, erinnert sich Christian Weiß. Eines macht er jedoch gleich klar: „Wir befreien Tiere aus Notlagen vor Ort meist nur, wenn der Halter auch dabei ist.“
Autor: Gabi Zylla - Berliner Woche
http://www.berliner-woche.de/Hilfe-fuer-Tiere-in-Not.351.0.html
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